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Sonntag, November 23, 2008

Zwei Teile

"Er hat Durst und ist von der Quelle nur durch ein Gebüsch getrennt. Er ist aber zweigeteilt, ein Teil übersieht das Ganze, sieht, dass er hier steht und die Quelle daneben ist, ein zweiter Teil aber merkt nichts, hat höchstens eine Ahnung dessen, dass der erste Teil alles sieht. Da er aber nichts merkt, kann er nicht trinken." - Franz Kafka (Aufzeichnungen aus dem Jahr 1920, "ER")

Dienstag, April 01, 2008

Holzwege

Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören. Sie heißen Holzwege. Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es, als gleiche einer dem anderen. Doch es scheint nur so. Holzmacher und Waldhüter kennen die Wege. Sie wissen, was es heißt, auf einem Holzweg zu sein. (Martin Heidegger)

Sonntag, März 02, 2008

Moliere

Menschen können dazu gebracht werden, alles zu schlucken, wenn es nur mit genügend Lob gewürzt ist. - oder (und so würde ich diesen Satz erweitern), wenn man dem Bild, das sie von sich selbst haben, schmeichelt.

Moliere, Der Geizhals (1668)

Dienstag, Dezember 04, 2007

Wahrheit

Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen, immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir "Wähle!" - ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: "Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für Dich allein!"

Gotthold Ephraim Lessing

Freitag, Mai 11, 2007

Franz Kafka: Kleine Fabel

Quelle
"Ach", sagte die Maus, "die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe." - "Du mußt nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.
Aus dem Nachlassband, 1931, herausgegeben von Max Brod

Freitag, April 27, 2007

Gute Menschen

Gute Menschen sind nur selten misstrauisch: Sie können sich nicht vorstellen, dass jemand etwas tut, wozu sie selbst nicht imstande wären; für gewöhnlich akzeptieren sie die unspektakuläre Lösung als die beste und lassen damit die Dinge auf sich beruhen. Dazu kommt, dass ein normaler Mensch dazu neigt, sich einen Psychopathen als jemanden vorzustellen, dessen Erscheinung ebenso monströs ist wie seine Psyche - aber kaum etwas könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein...Diese Monster des Alltags hatten für gewöhnlich ein normaleres Aussehen und Verhalten, als ihre tatsächlich normalen Brüder und Schwestern; sie präsentierten ein überzeugenderes Bild der Tugend als die Tugend selbst - ähnlich der wächsernen Blüte einer Rose oder dem künstlichen Pfirsisch, die dem Auge viel perfekter erscheinen als das mit Makeln behaftete Original, nach dessen Vorbild sie modelliert worden sind.

William March, The Bad Seed

Freitag, April 20, 2007

André Breton

Die größte Schwäche des zeitgenössischen Denkens scheint mir zu sein, dass wir in übertriebener Ehrerbietung dessen verharren, was wir wissen, im Gegensatz zu dem, was wir noch nicht wissen.
(Informationen zu André Breton bei perlentaucher.de)

Samstag, März 24, 2007

Wie redet man am besten über Bücher, die man nicht gelesen hat?

"Der französische Literaturwissenschaftler Pierre Bayard ist Psychoanalytiker und einer der flamboyantesten Köpfe der französischen Literaturwissenschaft. Sein neues Buch nun hat sich aus dem Stand in den französischen Bestsellerlisten festgesetzt, wahrscheinlich weil es eines der letzten Tabus der Milieus, die man früher als Bildungsbürgertum bezeichnet hätte, schon in der Titelfrage bei den Hörnern packt: "Comment parler des livres que l’on n’a pas lu?" (Les Editions de Minuit, Paris 2007). Wie redet man am besten über Bücher, die man nicht gelesen hat?" Mehr>>>

Mittwoch, März 21, 2007

Marc Aurel - Selbstbetrachtungen

Vergeh dich ruhig, vergeh dich an dir selbst und tu dir Gewalt an, meine Seele; doch später wirst du nicht mehr Zeit haben, dich zu achten und zu respektieren. Denn ein Leben nur, ein einziges hat jeder. Es aber ist für dich fast abgelaufen, und du hast in ihm keine Rücksicht auf dich selbst genommen, sondern hast getan, als ginge es bei deinem Glück um die anderen Seelen...Diejenigen aber, die die Regungen der Seele nicht aufmerksam verfolgen, sind zwangsläufig unglücklich.

Aus dem Buch Nachtzug nach Lissabon von Pascal Mercier.
Mehr über Marc Aurel bei Wikipedia

Montag, März 19, 2007

Michel de Montaigne

Wir bestehen alle nur aus buntscheckigen Fetzen, die so locker und lose aneinanderhängen, dass jeder von ihnen jeden Augenblick flattert, wie er will; daher gibt es ebenso viele Unterschiede zwischen uns und uns selbst wie zwischen uns und den anderen.

mehr über Michel de Montaigne gibts hier

Freitag, Dezember 15, 2006

Tucholsky (2)

Merkwürdig, was dieselben zweitausend Menschen zu gleicher Zeit sein können: unsre tapfern Krieger; Mob; Volksgenossen; verhetzte Kleinbürger. Wie man eine Masse anspricht, so fühlt sie sich. -
Peter Panter (1932)

Tucholsky (1)

Neben manchem andern sondern die Menschen auch Gesprochenes ab. Man muß das nicht gar so wichtig nehmen. - Peter Panter (1931)

Sonntag, Dezember 10, 2006

Novalis

Die Milbe

"Nichts ist gewisser", sprach eine Milbe zu der andern, "als dass unser Käse der Mittelpunkt des erhabnen Weltsystems ist und dass wir die besondern Lieblinge des Allmächtigen sind, weil er uns die vollkommenste Wohnung erschuf." "Törin", sprach ein Mensch, indem er sie mit ihrem Käse verschlang. "Du denkst, wie viele meiner Brüder denken, du auf deinem Käse, sie auf den ihrigen."

Dienstag, November 28, 2006

Warum Axel mich enttäuschte

"Adoriert man einen Boxer, so achtet man den Mann, der phantastisch schwere Hiebe nimmt und so lange nimmt, bis sein gegen Prügel trainiertes Gehirn sich auf sich selber besinnt und somit jedes Bewusstsein verliert. Man achtet diesen Mann umsomehr, als er das Bibelwort befolgt, das über jedem Boxring hängen sollte: nämlich, dass geben seliger ist denn nehmen. Wenn ich sehe, was Magen und Kiefer der Herren aushalten, so überträgt sich von diesen Männern ein gewisser Optimismus auf mich, ich glaub dank ihnen, dass man das Leben die nächsten acht Tage noch ertragen wird." Carl Einstein

Montag, November 27, 2006

Sonntag, November 26, 2006

Bertold Brecht(1) - Der Zweckdiener

Herr Keuner stellte die folgenden Fragen:
Jeden Morgen macht mein Nachbar Musik auf einem Grammophonkasten. Warum macht er Musik? Ich höre, weil er turnt. Warum turnt er? Weil er Kraft benötigt, höre ich. Wozu benötigt er Kraft? Weil er seine Feinde in der Stadt besiegen muss, sagt er. Warum muss er Feinde besiegen? Weil er essen will, höre ich.
Nachdem Herr Keuner dies gehört hatte, dass sein Nachbar Musik machte, um zu turnen, turnte, um kräftig zu sein, kräftig sein wollte, um seine Feinde zu erschlagen, seine Feinde erschlug, um zu essen, stellte er seine Frage: "Warum isst er?"

Mittwoch, November 22, 2006

Deutschstunde(3): Die Lösung

Von einem Theaterstück des ungarischen Schriftstellers George Tabori ist hier die Rede: "Mutters Courage" heißt das Stück, in dem Tabori (nomen est omen - übersetzt heißt das soviel wie "Mann aus dem Lager") ironisch ein wenig überspitzt das große Glück seiner Mutter thematisiert, die durch die persönliche Zuwendung eines SS-Offiziers und ihre unglaubliche Courage der Deportation nach Ausschwitz entkommt. Für Tabori befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Grauens und der Perfidität des "Dritten Reichs" der Humor und tatsächlich sind die Fratzen jener menschlichen Zerrbilder, die Absurditäten jener Epochen, in denen die Diktatur das Sagen hat und man Menschlichkeit weitestgehend nur noch aus der Einnerung kennt, mitunter recht zwerchfellerschütternd. Genau dies beschreibt Tabori in vielen seiner Theaterstücke und Geschichten, außerdem scheint der Humor immer auch ein Mittel zu sein, um grauenvolle Zustände leichter ertragen zu können.

Montag, November 20, 2006

Deutschstunde(2): Ein Tipp

"Sie hat nie erfahren, wer ihr Liebhaber war.(...)Als sie nahe der Grenze anhielten, am "Tor zum Tode", wie man so schön sagt, um in einen deutschen Viehwagen umzusteigen, der viel sauberer war als ihr eigener, war meine Mutter überrascht von der Kraft der Sonne."(...)

Freitag, November 17, 2006

Puzzleteilchen

"Es ist ja oft so bei Puzzles, wenn man erst mal das richtige Teilchen vom Himmel gefunden hat, geht der Rest plötzlich wie von selbst." Detlef Soost

Dienstag, Oktober 10, 2006

Prentice Mulford

"Besitze ich mich selbst, oder werde ich nur behaust, gefüttert, bekleidet den Wünschen und Launen gewisser Leute gemäß, vor denen ich fühle: so muss ich sein, oder ich bin nichts?"